Münchner Jakobsweg
Der Münchner Jakobsweg führt in 283,4 Kilometern vom Franziskanerkloster St. Jakob am Anger in der Münchner Altstadt durch das oberbayerische Voralpenland und das Allgäu nach Lindau am Bodensee. Unterwegs liegen das Isartal, der Starnberger See, der Heilige Berg Andechs, der Ammersee, Wessobrunn, der Hohe Peißenberg, die Wieskirche, der Auerberg und Kempten. Dreizehn Etappen, 5.540 Höhenmeter bergauf, höchster Punkt 1.089 Meter zwischen Rechtis und Weitnau im Westallgäu – und seit 2003 eine gelbe Muschel auf blauem Grund, die dich hinführt.
- 01Auf einen Blick
- 02Überblick
- 03Andere Namen
- 04Für wen ideal – und für wen eher nicht
- 05Streckenverlauf & Landschaft
- 06Etappen, Gelände & Schwierigkeit
- 07Eine Bäuerin sah Tränen, ein Kloster machte Schulden: die Wies
- 08Highlights am Weg
- 09Chorherren mit Thermometer: der Pfaffenwinkel schreibt mit
- 10Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
- 11Weiterpilgern?
- 12Vorbereitung & Praktisches
- 13Was dich der Weg kostet
- 14Anreise
Auf einen Blick
- Start / Ziel: München, St. Jakob am Anger am Sankt-Jakobs-Platz / Lindau am Bodensee (Insel, km 282,4); die Camino-Ninja-Karte endet in Lindau, die offizielle Beschreibung von 2003 führt weiter bis Bregenz
- Länge: 283,4 km
- Dauer: 13 Etappen, Ø knapp 22 km; mit einem Ruhetag in Kempten rund zwei Wochen
- Höhenmeter: ↗ 5.540 m / ↘ 5.656 m
- Höchster Punkt: 1.089 m bei km 222,3 zwischen Rechtis und Weitnau; tiefster Punkt 395 m am Bodenseeufer
- Landschaft: Isarhochufer und Forstenrieder Wälder, Fünfseenland mit Starnberger See und Ammersee, Moränenhügel und Moore des Pfaffenwinkels, Lechtal, Ostallgäuer Weiden mit Alpenblick, Westallgäuer Höhenzüge, zuletzt der Abstieg zum See
- Träger / Markierung: eingeweiht im Mai 2003; gelbe Jakobsmuschel auf blauem Grund
- Jakobus-Spuren: St. Jakob am Anger in München, Franziskanerklosterkirche seit 1221; die Jakobidult am Anger seit 1310; Pfarrkirche St. Jakob in Wildsteig mit Hochaltarfiguren des Meisters der Blutenburger Apostel aus dem 15. Jahrhundert
- Unterkunft: kaum klassische Pilgerherbergen; Gasthöfe, Pensionen, Klostergästehäuser und einzelne private Pilgerquartiere, frühzeitig buchen
- Anschlusswege: Jakobsweg Isar-Inn ab Schäftlarn, Voralpiner Jakobsweg am Hohen Peißenberg, Via Romea Germanica bei Rottenbuch, Augsburger Jakobsweg in Ermengerst, Jakobsweg Tirol-Allgäu in Zell, Lindau – Héricourt ab Lindau
- Beste Zeit: Mai bis Oktober; im Westallgäu liegt auf über 900 Metern bis in den April Schnee
- Pilgerpass: Credencial mit Stempeln aus Pfarrämtern, Klöstern und Gasthöfen; eine eigene Urkunde am Ziel gibt es nicht
Überblick
Der Münchner Jakobsweg beginnt an einem Ort, an dem Jakobus seit über 800 Jahren zu Hause ist. 1221 übernahmen die Franziskaner am Unteren Anger eine Kapelle des Apostels, 1310 fand vor ihrer Tür erstmals die Jakobidult statt, und bis heute beginnt dieses Volksfest am Samstag nach dem Jakobstag. Der Weg selbst ist jung: Im Mai 2003 wurde er eingeweiht, vom Angerkloster bis an den Bodensee. Dazwischen zieht er durch eine Landschaft, die schon 1756 einen Spitznamen hatte – Pfaffenwinkel, die Ecke der Mönche.
Und so geht er sich auch: Schäftlarn, Andechs, Dießen, Wessobrunn, Rottenbuch, Steingaden, dazu die Wies und der Hohe Peißenberg, alle innerhalb von fünf Tagen. Danach wird es stiller. Das Allgäu hat Kühe, Hügel und Kempten, eine Stadt, die schon Strabon um Christi Geburt als Kambodunon kannte. Am Ende steigst du an einem Tag von gut 760 auf 400 Meter ab und stehst an der Hafeneinfahrt von Lindau vor dem bayerischen Löwen von 1856. Unterwegs gilt eine einfache Rechnung: Du kommst an mehr Klöstern vorbei als an Pilgerherbergen – von denen gibt es im spanischen Sinn keine einzige.
Andere Namen
Der Weg heißt Münchner Jakobsweg, so steht er auf den Wegweisern und in den Führern. Weil er bei der Einweihung bis Bregenz ausgeschrieben war, liest man auch Jakobsweg München–Bregenz; die Abschnitte im Allgäu tauchen in Prospekten einfach als Jakobsweg im Allgäu auf. Im Westallgäu ist er auf gemeinsamer Trasse mit dem Bayerisch-Schwäbischen Jakobsweg, der bei uns Augsburger Jakobsweg heißt – nicht wundern, wenn dort zwei verschiedene Muscheln an einem Pfosten hängen.
Für wen ideal – und für wen eher nicht
Ideal, wenn du aus Süddeutschland vor der Haustür losgehen willst: S-Bahn-Anschluss in den ersten drei Tagen, Bahnhöfe in Dießen, Kempten und Oberstaufen, und am Ende ein Fernverkehrshalt. Ideal, wenn dich Kirchen mehr interessieren als Kilometer: Zwischen Andechs und Steingaden liegen in fünf Tagen sieben Klöster und Wallfahrtskirchen. Und ideal als erster Teil einer langen Linie, denn am Bodensee geht es nach Westen weiter.
Ehrlich gesagt ist er aber nichts für dich, wenn du günstig pilgern willst: Ohne Herbergskette zahlst du jede Nacht Gasthofpreise. Nichts für dich, wenn du Einsamkeit suchst – Fünfseenland und Pfaffenwinkel sind Ausflugsland, am Wochenende teilst du den Kiental-Pfad nach Andechs mit halb München. Und nichts für dich, wenn du flaches Land erwartest: 5.540 Höhenmeter auf 283 Kilometern sind fast 20 pro Kilometer, und das Allgäu hört mit dem Auf und Ab erst kurz vor dem See auf.
Streckenverlauf & Landschaft
München bis Hohenpeißenberg (km 0–110,1): Vom Sankt-Jakobs-Platz geht es zur Isar und auf dem Hochufer nach Süden, über Pullach (km 12,3) und Baierbrunn (km 18,1). Das Kloster Schäftlarn liegt knapp einen Kilometer neben der Trasse unten im Isartal. Über Neufahrn und Manthal erreichst du Starnberg (km 34,9), dann durch die Maisinger Schlucht den Heiligen Berg Andechs (km 50,6) und den Abstieg durchs Kiental nach Herrsching (km 54,0). Der Weg umrundet den Ammersee im Norden: Inning und Eching bleiben gut einen halben bis einen Kilometer abseits, über Schondorf (km 71,1) und Riederau kommst du nach Dießen (km 82,9) mit dem Marienmünster. Dann steigt das Land: Wessobrunn (km 96,6) und der Wallfahrtsberg Hoher Peißenberg mit 988 Metern und Alpensicht auf rund 200 Kilometern Breite.
Hohenpeißenberg bis Lindau (km 110,1–283,4): Peiting bleibt drei Kilometer abseits, über Rottenbuch (km 122,9) und Wildsteig (km 127,6) erreichst du die Wies (km 132,8) und Steingaden (km 137,3). Bei Lechbruck (km 144,4) überquerst du den Lech, über Bernbeuren geht es hinauf auf den Auerberg (km 154,2, laut Karte 1.030 m) und hinunter nach Marktoberdorf (km 169,7). Über Thingau kommst du nach Kempten (km 200,9). Görisried und Betzigau liegen zwei bis drei Kilometer neben dem Weg. Westlich von Kempten beginnt das Westallgäu: Ermengerst (km 209,6), Buchenberg, der Höhenrücken bei Rechtis mit dem höchsten Punkt (1.089 m, km 222,3), Weitnau (km 227,7) und Zell (km 244,0) – Oberstaufen liegt zwei Kilometer abseits. Über Weiler-Simmerberg und Lindenberg (km 261,0) fällt der Weg über Kinberg, Sigmarszell und Weißensberg zum See und über den Damm auf die Insel Lindau (km 282,4).
Etappen, Gelände & Schwierigkeit
Die Kilometer stammen aus der Camino-Ninja-Karte, exakt auf 283,4 km kalibriert. Wir teilen den Weg in 13 Etappen mit Übernachtungsorten; ältere Führer kommen mit 11 längeren Tagen aus, wer Ruhe will, plant 14 bis 15.
- München → Baierbrunn (18,1 km) — Aus der Altstadt an die Isar und auf dem Hochufer hinaus, Pullach und Grünwald auf beiden Seiten des Flusses.
- Baierbrunn → Starnberg (16,8 km) — Am Kloster Schäftlarn vorbei und durch Wald und Moränenhügel zum Starnberger See.
- Starnberg → Herrsching (19,1 km) — Durch die Maisinger Schlucht zum Kloster Andechs, dann durchs Kiental hinunter an den Ammersee.
- Herrsching → Dießen (28,9 km) — Flach am Nordufer um den See herum; wer abkürzen will, nimmt das Schiff über den See.
- Dießen → Hohenpeißenberg (27,2 km) — Der erste echte Anstieg: über Wessobrunn hinauf auf den Hohen Peißenberg.
- Hohenpeißenberg → Steingaden (27,2 km) — Pfaffenwinkel pur: Rottenbuch, Wildsteig, die Wieskirche, Steingaden.
- Steingaden → Stötten (21,3 km) — Über den Lech bei Lechbruck und hinauf auf den Auerberg, den Aussichtsberg des Ostallgäus.
- Stötten → Unterthingau (21,4 km) — Weideland und Weiler, Mittagsrast in Marktoberdorf.
- Unterthingau → Kempten (20,9 km) — Durch den Kempter Wald hinunter ins Illertal; Görisried und Betzigau abseits.
- Kempten → Weitnau (26,8 km) — Die härteste Etappe: über Ermengerst und Buchenberg zum höchsten Punkt bei Rechtis und hinab nach Weitnau.
- Weitnau → Zell (16,3 km) — Kurze Hügeletappe über Missen-Wilhams; in Zell kommt der Jakobsweg Tirol-Allgäu an.
- Zell → Lindenberg (17,0 km) — Über Hopfen und Weiler-Simmerberg in die alte Hutmacherstadt.
- Lindenberg → Lindau (22,4 km) — Der lange Abstieg über Kinberg, Sigmarszell und Weißensberg auf die Insel.
Der Untergrund ist gemischt: Forst- und Feldwege, Wiesenpfade, im Fünfseenland viel Asphalt auf Nebenstraßen. Technisch schwierig ist nichts. Anstrengend sind die Etappen 5, 6 und 10 mit Anstiegen von mehreren hundert Höhenmetern am Stück. Nach Regen werden Wiesenpfade und Weidedurchgänge im Allgäu rutschig, und an den Weidezäunen gilt: Gatter hinter dir schließen.
Eine Bäuerin sah Tränen, ein Kloster machte Schulden: die Wies
1730 schnitzten Pater Magnus Straub und Bruder Lukas Schweiger im Kloster Steingaden eine Figur des gegeißelten Heilands für die Karfreitagsprozession. Sie wurde von 1732 bis 1734 mitgetragen, danach nicht mehr, und kam 1738 in den Besitz eines Bauern auf der Wies. Am 14. Juni 1738 bemerkte die Bäuerin Maria Lory nach der Überlieferung „in den Augen der Figur einige Tropfen, die sie für Tränen hielt“. Ein Jahr später stand eine Feldkapelle, ab 1744 durfte darin Messe gelesen werden, und die Pilger kamen in solchen Zahlen, dass Steingaden eine eigene Kirche baute.
Die Baumeister waren die Brüder Dominikus und Johann Baptist Zimmermann, 1749 war der Chor geweiht, 1754 die ganze Kirche. Veranschlagt waren 39.000 Gulden, gekostet hat sie 180.000. Das Kloster geriet dadurch tief in Schulden; 1803 wurde es aufgehoben. Gern erzählt wird, der Staat habe die Wies danach versteigern oder abreißen wollen. Belegt ist das Gegenteil: Die Aufhebungskommission sprach sich laut den Akten ausdrücklich für die Weiterführung der Wallfahrt aus. Seit 1983 ist die Wieskirche UNESCO-Welterbe, mehr als eine Million Menschen kommen jedes Jahr. Die Kirche wurde für eine Holzfigur gebaut, die man nicht mehr brauchte – und hat das Kloster überlebt, das sie gebaut hat.
Praktisch heißt das: Plane die Wies in Etappe 6 nicht als Mittagspause im Vorbeigehen. Komm früh am Morgen oder am späten Nachmittag, wenn die Reisebusse weg sind; dann bist du mit dem Gegeißelten Heiland im Hochaltar fast allein. In Steingaden lohnt das Welfenmünster von 1147 einen zweiten Blick – von hier aus wurde die Wies bezahlt.
Highlights am Weg
- St. Jakob am Anger (km 0) — ältestes Kloster Münchens, 1221 von Franziskanern gegründet, seit 1284 Klarissen, im Dezember 1944 bis auf die Außenmauern zerstört und 1955 bis 1957 von Friedrich Haindl neu gebaut.
- Kloster Andechs (km 50,6) — 1388 fand man unter dem Altar der Burgkapelle einen Reliquienschatz mit den Heiligen Drei Hostien, er kam erst nach München und 1394 zurück; seit 1455 Benediktinerkloster, Rokoko von Johann Baptist Zimmermann 1751 bis 1755, das Grab von Carl Orff und das Klosterbier.
- Marienmünster Dießen (km 82,9) — 1732 bis 1739 von Johann Michael Fischer für die Augustiner-Chorherren gebaut.
- Wessobrunn (km 96,6) — Klosterort der Tassilo-Legende von 753, Namensgeber der Wessobrunner Stuckateure und des Wessobrunner Gebets.
- Hoher Peißenberg (km 110,1) — Wallfahrtskirche über der Kapelle von 1514 und die älteste Bergwetterwarte der Welt.
- Rottenbuch (km 122,9) — Augustiner-Chorherrenstift von 1073, die Kirche Mariä Geburt mit Stuck von Joseph Schmuzer.
- Wieskirche (km 132,8) — Rokoko der Brüder Zimmermann, Welterbe seit 1983.
- Auerberg (km 154,2) — Kirche St. Georg auf dem Gipfel, darunter eine römische Siedlung, die laut Jahresringen spätestens 13 nach Christus begann; Blick vom Wendelstein bis in den Bregenzerwald.
- Basilika St. Lorenz, Kempten (km 200,9) — 1652 bis 1666 gebaut, einer der ersten großen Kirchenbauten nach dem Dreißigjährigen Krieg.
- Lindenberg (km 261,0) — Strohhutstadt seit 1656, das Deutsche Hutmuseum in einer alten Hutfabrik.
- Lindau (km 282,4) — Hafeneinfahrt mit Löwe und Leuchtturm von 1856, die Peterskirche mit der Lindauer Passion, Holbein dem Älteren zugeschrieben.
Chorherren mit Thermometer: der Pfaffenwinkel schreibt mit
Die Klöster am Weg haben nicht nur gebetet, sie haben aufgeschrieben. In Wessobrunn lag jahrhundertelang das Wessobrunner Gebet, eines der ältesten christlichen Sprachdenkmäler auf Deutsch, um 790 gedichtet, um 814 abgeschrieben. Es beginnt mit der Welt vor der Welt: „Dat gafregin ih mit firahim firiuuizzo meista, dat ero ni uuas noh ufhimil“ – „Das erfuhr ich unter den Menschen als der Wunder größtes, dass die Erde nicht war noch der Himmel über ihr“. Die Pointe: Geschrieben wurde die Handschrift vermutlich gar nicht in Wessobrunn, und heute liegt sie als Clm 22053 in der Bayerischen Staatsbibliothek – in München, wo du losgegangen bist.
Zwei Etappen weiter steht die zweite Schreibstube. Am 1. Januar 1781 begannen die Augustiner-Chorherren von Rottenbuch auf dem Hohen Peißenberg mit täglichen Wetteraufzeichnungen, um 7, 14 und 21 Uhr, im Netz der Mannheimer Meteorologischen Gesellschaft. Als die staatliche Unterstützung wegfiel, zahlten die Chorherren selbst; die Säkularisation 1803 hob das Stift auf, die Messreihe lief weiter. Daraus wurde die älteste Bergwetterwarte der Welt. Wenn du am Peißenberg in den Regen kommst, bist du also Teil der längsten Bergwetterstatistik, die es gibt.
Wie Pilger auf diesen Weg gelangen
Die meisten starten in München, mit Fernzug oder Flug aus allen Richtungen. Andere kommen über einen der Wege, die unterwegs einmünden:
- Voralpiner Jakobsweg — von Salzburg durch Chiemgau und Tölzer Land, auf dem Hohen Peißenberg übernimmt der Münchner Weg.
- Augsburger Jakobsweg — von Oettingen über Augsburg durchs Unterallgäu, ab Ermengerst auf gemeinsamer Trasse Richtung Bodensee.
- Jakobsweg Tirol-Allgäu — von Stams im Inntal über Fernpass, Gaichtpass und Oberjoch, mündet in Zell bei km 244,0, zwei Etappen vor Lindau.
- Jakobsweg Isar-Inn — zweigt umgekehrt in Schäftlarn nach Süden ab, über Kesselberg und Mittenwald nach Tirol.
- Via Romea Germanica — der Rom-Pilgerweg kreuzt bei Rottenbuch und läuft dort rund zehn Kilometer mit.
Weiterpilgern?
Ja, und zwar nach Westen. In Lindau beginnt Lindau – Héricourt, der Weg am Bodensee-Nordufer entlang nach Konstanz, den Hochrhein hinunter nach Basel und durch die Burgundische Pforte nach Frankreich. Von dort führen die französischen Wege weiter Richtung Pyrenäen.
Die offizielle Beschreibung von 2003 endet nicht in Lindau, sondern rund zehn Kilometer weiter in Bregenz, wo die österreichischen und Schweizer Wege beginnen. Wer dorthin will, geht am Ufer weiter oder nimmt Bahn oder Schiff.
Vorbereitung & Praktisches
Pilgerausweis und App. Wie auf allen Jakobswegen brauchst du einen Pilgerausweis (Credencial), um in Pilgerquartieren zu übernachten und – wenn du eines Tages bis Santiago gehst – am Ende die Compostela zu erhalten. Am besten bestellst du ihn schon vorab online, damit er rechtzeitig zum Start deiner Reise bei dir ist. Stempel bekommst du in Pfarrämtern, Klöstern, Tourist-Infos und vielen Gasthöfen. Am einfachsten planst du den Weg direkt in der Camino Ninja App, in der du deine Etappen zusammenstellst und passende Unterkünfte gleich mit einplanst; Karte und Track hast du dort auch offline.
Unterkunft. Rechne nicht mit Herbergen. Es gibt Gasthöfe, Pensionen, Ferienwohnungen und in einigen Orten private Pilgerquartiere auf Spende oder zum kleinen Preis. Buche im Fünfseenland und um die Wies an Sommerwochenenden mehrere Tage im Voraus; in Unterthingau, Stötten und Zell ist das Angebot klein.
Jahreszeit. Mai bis Oktober ist ideal. Im Juli und August ist Ausflugssaison an den Seen, im Allgäu gibt es dafür Gewitter am Nachmittag. Ab November und bis in den April kann auf den Westallgäuer Höhen um 900 bis 1.000 Meter Schnee liegen.
Was dich der Weg kostet
Bayern ist kein Billigpflaster. Ein Einzelzimmer im Gasthof oder in der Pension kostet 60 bis 95 € mit Frühstück, im Doppelzimmer 45 bis 70 € pro Person; in Starnberg, Herrsching und Lindau liegst du am oberen Rand, private Pilgerquartiere und Klostergästehäuser kommen mit 20 bis 40 € oder auf Spende aus (Stand: Oktober 2026). Mittags eine Brotzeit, abends ein Gasthofgericht für 15 bis 25 €.
Rechne mit 80 bis 120 € pro Tag, mit Pilgerquartieren und Selbstversorgung mit 50 bis 70 €. Sparen kannst du bei der Anreise: Mit dem Deutschlandticket für 63 € im Monat (Stand: Oktober 2026) fährst du im Nahverkehr zum Start, zwischen den Etappen und vom Bodensee zurück.
Anreise
Zum Start. München Hauptbahnhof ist Fernverkehrsknoten, der Flughafen ist per S-Bahn angebunden. Vom Hauptbahnhof gehst du in einer Viertelstunde zum Sankt-Jakobs-Platz. In den ersten Tagen hilft die S-Bahn: Pullach und Baierbrunn liegen an der S7, Starnberg an der S6, Herrsching seit 1972 an der S8.
Vom Ziel. Lindau-Reutin ist seit Dezember 2020 Fernverkehrshalt mit direkten Zügen nach München und Zürich; der Inselbahnhof Lindau liegt zwei Minuten vom Hafen. Unterwegs kannst du in Dießen, Kempten und Oberstaufen ein- und aussteigen.
- Bahn: bahn.de — Verbindungen nach München und ab Lindau
- S-Bahn und Busse im Münchner Umland: mvv-muenchen.de — Fahrplan für die ersten drei Etappen
- Schiffe auf Ammersee und Bodensee: seenschifffahrt.de — Bayerische Seenschifffahrt, Ammersee-Linien
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